/page/2

Nennen wir es Mombabwe

Wahre Geschichten aus einem fiktiven Land

von Antonio Ungar und 27094

Noch bevor ich das unglaublich hässliche Flughafengebäude betrete, sehe ich sie von der Landebahn aus. Das müssen sie sein: fünf Riesen mit schwarzen Sonnenbrillen, gekleidet wie alte graue Metallbüroschränke in die Skelette von Büroangestellten gesperrt sind. Als ich nach ihnen trete, halten sie mich auf, packen mich an den Unterarmen, und nach links und rechts lächelnd, als hätte ich sie als Bodyguards engagiert, befördern sie mich aus dem Flughafen. Sie hieven mich auf den Vordersitz eines bordeauxroten betagten Landrovers. Setzen sich neben mich. Ja, auf mich. Der Typ auf mir stösst mir seinen Beckenknochen damit sein Gesamtgewicht in die vom Flug beleidigte Unterbauchregion, stülpt mir eine dreckigweisse Flanellkapuze über den Kopf, klickt gusseiserne Fußschellen um meine Hände, die wohl noch aus der Sklavenzeit stammen, als hier Schwarze von Schwarzen verkauft wurden (und erst später an weisse Kolonisatoren) und meine am Boden gekreuzten Fußgelenke, legt den Sitz flach, und sich während des rumpelnden, staubigen Schlaglochparcours auf mich. Ich liebe Mombabwe.

Der Weg ist ziemlich lang. Meine Henker halten nur zum Essen und Pinkeln und um das wohl kaum verdaute Tun-Jok hinter Sträuchern wieder los zu werden. Ich tue weder das eine noch das andere, und bin froh, kein Tun-Jok gegessen zu haben. Sie reden über Tote, alte Chefs, alte tote Chefs, Neuzugänge, tote Neuzugänge, Blitzkarrieren, Minen, Partner und weisse Geschäftsleute, immer mit Spitznamen und kichern wie Schulmädchen. Partner hört sich wie “Bat Na” an, was auf Bewanisch ehemaliger Liebhaber, Geliebter bedeutet, aber nur für Tierbeziehungen verwendet wird. Ich glaube, sie gehören den Todesschwadronen an. Wir kommen an zwei Straßensperren der Armee vorbei. Die Soldaten verlangen Autopapiere, Führerschein und irgendwelche Fantasiedokumente deren Namen sie sich wohl gerade einfallen haben lassen, und tun so, als läge da hinten auf dem Sitz ein Sack mit Düngemittel und nicht jemand mit Fußschellen und einer Kapuze über dem Kopf. Ich fühle mich wie Düngemittel. Meinem Gefühl nach sind wir die ganze Nacht und einen guten Teil des nächsten Tages unterwegs. Dann bremsen wir plötzlich, und einer der Typen vorne schreit dem neben mir zu, er solle mir die Kapuze und die Fußschellen an den Händen abnehmen, sie wollten mir das Gelände zeigen. Es klingt, als wollten sie mir ihre Tomatenzucht im Hinterhof vorführen.

Ich ahne, was sie mir zeigen wollen. Was sie “das Gelände” nennen. Vor über einem Jahr wurde es im ausländischen Fernsehen erwähnt, als Präsident Nom`Bottho [Bottho zu deutsch: Pimmel, Anm. der Red.] die sichtbare Front der Todesschwadronen legalisiert hat. Zwei der demobilisierten Führer haben in Interviews die Existenz dessen bestätigt, was sie in ihrem Kriegsjargon “Gehege” oder “Metzgereien” nannten. Die Gehege oder Metzgereien waren, wie ihre Befehlshaber damals gestanden, riesige Schuppen irgendwo auf dem Land oder im Wald, wo hingebracht wurde, wer unter Verdacht stand, mit Kleinbauern, Eingeborenen oder Gewerkschaften zu kollaborieren. Es waren niemals Weisse darunter.

Die Zartbesaiteten unter den Lesern mögen mir verzeihen, aber es lässt sich nicht anders formulieren: In den Gehegen oder Metzgereien wurden die Angehörigen dieser Organisationen mit Macheten und Motorsägen lebendig zerstückelt, und ihre Reste wurden den Warzenschweinen vorgeworfen, damit auch nicht die kleinste Spur von Rebellion übrig blieb (wie einer der Kommandanten im Interview sagte). Die Gehege oder Metzgereien dienten außerdem als Trainingslager für die neuen Rekruten, die sich durch die Ausbildung im Zersägen für den Krieg gegen die unbewaffneten Menschen wappneten, die ihnen in jedem Winkel der Republik auflauerten.

Ich weiß noch, dass ich es damals nicht glauben wollte, die sind im Krieg verrückt geworden, dachte ich, weil ich so etwas Barbarisches nicht einmal in Mombabwe für möglich hielt (das damals noch A.R.M. hiess - Alternative Republic of Mombabwe). Der andere Kommandant sagte einer ausländischen Zeitung, in dem ihm unterstehenden Schuppen hätten die ersten Zerstückelten keiner Organisation angehört, sondern seien die 37 Bewohner des nächsten Weilers gewesen, die von den jüngsten Auszubildenden ziemlich stümperhaft mit Motorsägen zersäbelt worden seien. In Mombabwe ist die Realität immer schlimmer, als man es sich vorstellen kann, das habe ich inzwischen gelernt.

Die gute Nachricht ist, dass der Schuppen, den mir meine jungen Todesbegleiter so freundlich zeigen, inzwischen nicht mehr dem Zweck dient, Menschen verschwinden zu lassen. Die schlechte Nachricht ist, dass die riesigen Warzenschweine völlig verwahrlost und halb wahnsinnig vor Hunger frei herumlaufen. Ich sehe ein paar ausgebleichte menschliche Rippenknochen im Gras. Ob Frau oder Mann ist daraus nicht erkenntlich. Die Schweine fressen keine Schädel, deshalb liegen über drei Dutzend ringsum verstreut. Sie zerren mich herum, damit ich alles sehe, und unter brüllendem Gelächter zielen sie zum Spaß auf die Schweine. Mir wird immer übler, als zwängten sich die Gespenster all dieser verstümmelten Menschen durch meine Eingeweide. Irgendwann kann ich nicht mehr und gehe in die Knie, um zu erbrechen, aber ich erbreche nichts, weil ich nichts gegessen habe, auch kein Tun-Jok.

Später sagt der am Lenker, wir seien keine Stunde Fahrt mehr entfernt. Die Sonne rötet sich, obwohl es bis zur Dämmerung noch lange hin ist. Der Landrover hat keine Klimaanlage und lila verdunkelte Scheiben, und was jenseits der Fenster vorbeizieht, wirkt wie aus einem klassischen Dokumentarfilm über Afrika. Riesige Kapokbäume inmitten weiter Ebenen, ein hoher Himmel mit fernen großen Wolken. Vieh, das zwischen sumpfigen Wiesen und der Landstraße weidet, Zebras und kleine Vögel, die über den Horizont schwirren. Der am Lenker kündigt per Funk unsere Ankunft in der Farm an. Wir biegen in eine von Palmen gesäumte gepflasterte Straße ab, kommen an vier Kontrollposten vorne, der zweite gesichert mit Sandsäcken und zwei Maschinengewehrnestern. Die Männer, die den Wagen und seinen Inhalt durchsuchen, tragen blaue Uniformen in besserem Zustand als die der Armee von Mombabwe.

Am zweiten Kontrollposten fragt ein etwa 37jähriger Mann meine Wächter, ob sie die Lieferung dabei haben. Der Fahrer schaltet den Motor ab, steigt aus und lässt mich auch aussteigen. Der Mann nimmt mich unter die Lupe wie ein neues Kamel, dann lächelt er. Er gibt etwas per Funk durch. Sie setzen mich wieder in den Landrover, und wir fahren noch ca. 10 Minuten weiter. Entlang der Straße sieht man viele Armeezelte, eins neben dem anderen. Männer in Uniform hängen ihre Unterwäsche zum Trocknen auf, spielen Karten, prügeln sich, warten. Dann taucht in der Ferne das Haupthaus auf. Eine Art Herrenhaus im Südstaatenstil, nur klotzig und hässlich, wie die Hütte eines psychotischen Unholds aus einem üblen Märchen. Davor ein leeres Schwimmbad von olympischen Ausmaßen, in den Beeten wachsen Tomaten jeglicher Größe und Farbe, echte Flamingos stolzieren herum und auf der Veranda dösen zwei domestizierte Geparden. Außerdem gibt es drei Wachtürme und einen Zwinger voller Kampfhunde.

Etwa hundert Meter hinter dem Haus befindet sich ein betonierter Landeplatz, auf dem zwei Hubschrauber, ein weisser und einer mit grellorangenem Tarnanstrich und eine Cessna 172 stehen. Die Cessena ist beige gestrichen wie das Land ringsum, unter den Fügeln und am Flugzeugbauch in himmelsblau. Die drei Fluggeräte machen eher den Anschein einer Kunstinstallation, denn einer funktionalen Fluchtoption. Vor der Tür parken auf einem begrünten Rondell drei Luxuswagen und zirka fünfzehn Begleitjeeps. Ich frage mich, zu wem das alles gehört. Da der Schauplatz die Republic of Independent Comabwanbgu Homeland, ehemals Mombabwe, ist, lässt sich die Frage unmöglich nachhaltig beantworten. Zu einem Drogenboss? Einem Kommandanten der Todesschwadronen? Einem General der Armee? Einem Bruder des Präsidenten? Einem seiner Cousins? Zum Verteidigungsminister? Zum Vizepräsidenten? Zu Rotkäppchen? Zum Unaussprechlichen höchstpersönlich? Zu mir? Meine Situation setzt mir nach und nach offensichtlich auch psychisch zu […]

WAS ÜBER DIE REPUBLIK IN DER ZEITUNG STEHT

Verflucht sei die verfluchte Manie, ins Internet zu schauen. Auf der Titelseite der Digitalversion der belgischen Zeitung Vers L´Avenir ist heute Morgen zu lesen, dass es unserer neuen Republik Mombabwe, jetzt R.I.C.H. bestens geht. Eine von Vers L´Avenir aus Belgien in unsere Hauptstadt entsandte Journalistin versichert, dass dank der vom hochehrwürdigen Präsidenten Nom`Bottho (in Belgien kurz jovial Zizi genannt,…im francophonen Belgien steht Zizi für Schwanz, dann müssen die belgischen Zeitungsleser nicht zum bewanischen Wörterbuch greifen und die Berichterstattung bleibt eingängig und vielschichtig) ergriffenen Maßnahmen für Wirtschaft und Sicherheit des Landes das Vertrauen der ausländischen Investoren gestärkt, das Bruttoinlandsprodukt gestiegen und die Währung konsolidiert sei. So steht es in der Zeitung. Und was in der Zeitung steht, ist nicht privat, sondern öffentlich und muss stimmen.

Dann wird noch gezeigt, wie sich die makroökonomischen Veränderungen im realen Leben der Menschen auswirken, am Beispiel von drei Archetypen der Republik: dem Taxifahrer und ehemaligen Minenarbeiter, der die Journalistin vom Flughafen ins beste Hotel bringt, dem Vizepräsidenten und ehemaligen Sohn (zudem Besitzer der größten Tageszeitung und drei Viertel aller Fernsehsender, doch das weiß die Korrespondentin nicht, auch nicht, dass er seinen Vater kaltblütig aus dem Weg räumen liess) und, wie sollte es anders sein, dem aufstrebenden Winzling, dem gigantischen Nom`Bottho. In dem von der Journalistin verfassten Artikel hat der Taximinenfahrer die beiden Letzteren gewählt, und zwar aus ehrlicher Überzeugung: um mit dem Gesindel ein Ende zu machen. Alle drei erklären, das Geld habe eine wesentlich größere Kaufkraft als zuvor, was stimmt. Nur haben die meisten Menschen in Mombabwe kein Geld. Die Korrespondentin erwähnt Schnellimbisse, Turnschuhe, Volksmusik, Antilopenhirn, Videospiele und CDs. In Spanien, dem Land der belgischen Zeitung Vers L´Avenir, ist der Kauf dieser Dinge vermutlich ein Zeichen von Wohlstand, bis auf das Antilopenhirn, das ist eine bewanesische Luxusware inklusive der Hörner, um dorthin zu gelangen. Ich war noch nie in Belgien, aber ich weiß (weil ich es weiß), dass man in den parlamentarischen Monarchien kultivierter, man könnte meinen, besser speist und sich besser kleidet als in den perfekten Republiken. Die Korrespondentin kommt drei Wochen später im Norden des Landes durch eine Mine ums Leben. Der Fahrer auch. Ein kleiner Trauerartikel spielt an, sie wäre einer größeren sozialpolitischen Wirtschaftsverschwörung auf der Spur gewesen, aber es könnte auch sein, dass die Kollegen nur ihr Pech kaschieren wollen.

Laut den drei Quellen des Artikels (also: Präsident, Vizepräsident, Taxifahrer) gibt es in unserer Republik immer weniger Arme – aber immer mehr Arme mit Händen daran, denn den neu nachwachsenden Kindern werden diesen nicht wegen kleinster “Vergehen” auf den Gummiplantagen abgeschlagen – und wie eine rasende Pest greift die Glückseligkeit unter den Bürgern um sich, die trotz des (vergriffenen) Konversationslexikons der Königlichen Akademie in der Bewanischen Sprache schon keine Worte mehr finden, um ihr Glück auszudrücken. Die Bewanische Sprache kennt offiziell 14 Ausdrücke für Glück (davon allein 9 überregionale Handgesten), aber der Bestand der fast hundertjährigen Bibliothek umfasst nach den Plünderungen Bände in etwa der gleichen Anzahl und keiner weiss mehr in welchem dieser linguistische Vermerk zu finden ist. Deshalb bleiben sie durchweg stumm, die Bürger vom Mombabwe. Sie wollen nichts Falsches über Glück sagen. Das Leben hat sich verändert, und zum Guten verändert, sagt ein steifer, herausfordernder Nom`Bottho in der langen Reportage der belgischen Zeitung Vers L´Avenir.

Verflucht sei die verfluchte Gewohnheit, die verfluchte Presse im Internet zu lesen und auf Knopfdruck verflucht oft vervielfältigen zu können (unsichtbare Erfindung, deren einziger Nutzen darin besteht, die Welt in ein Taschentuch zu verwandeln, das Milliarden von Menschen stündlich benutzen und dann weiterreichen).

MENSCHENRECHTLER ALS GUERILLEROS ENTTARNT

Gesegnet sei dagegen die gesunde und gut katholische Gewohnheit, die neutralen Zeitungen der Republik Mombabwe zu konsultieren. In Mboto N´da Lengo (Weg der Freiheit), der größten von allen, liest man, dass Quellen der nationalen Sicherheit die engen Verbindungen zwischen den drei in der Republik tätigen Menschenrechtsorganisationen und den nicht wirklich unschädlich gemachten Guerilla-Gruppierungen unklarer multitudidinaler maostalinistisch-cosplay Herkunft (man sagt, sie seien unschädlich gemacht wurden, würden auf dem Land jedoch wie biblische Plagen weiter ihr Unheil treiben) nachgewiesen haben. Die Zeitung versichert, Zugang zu nicht weiter spezifizierten Untersuchungen gehabt zu haben, in deren Verlauf Gespräche zwischen den Leitern der Menschenrechtsorganisationen und den multitudidinalen maostalinistischen-cosplay Kommandanten aufgezeichnet worden seien. Mutig wird von den Fortschritten dieser Untersuchungen gesprochen, die Zeitung präzisiert allerdings nicht, worum es bei den erwähnten Gesprächen ging. Bekanntlich ist die lange Erfahrung von Mboto N´da Lengo allein schon eine Garantie für den Wahrheitsgehalt ihrer Informationen. Und, versichert die größte Tageszeitung desgleichen, nach besagten Untersuchungen gebe es Beweise für ein geheimes Treffen, bei dem die Menschenrechtsorganisationen eingewilligt hätten, den Terroristen als Tarnung, Kontaktstelle und Geldwäscherei für ihre Euros zu dienen, in der Hauptstadt von Mombabwe wie auch in anderen Hauptstädten ähnlicher, nicht näher benannter Republiken.

Man liest außerdem in Mboto N´da Lengo, deren Seriosität und Wahrheitstreue bis über die Landesgrenzen hinaus besungen wird, dass sich der ranghöchste Leiter der erwähnten Menschenrechtsorganisationen (laut Quellen der militärischen Sicherheit) für besagtes Treffen höchstpersönlich wie eine Mischung aus Josef Stalin und intergalaktischer Sternenkommandeur aufkostümiert hatte und sich dafür sogar einen altmodischen Schnurrbart hatte wachsen lassen und diesen darüberhinaus verchromen liess – und damit das Original weit an Effekt übertraf. Ich weiß nicht, warum ich nicht gleich Mboto N´da Lengo zur Hand genommen habe, ohne den Umweg über die belgische Vers L´Avenir. Der lange Artikel, Reportage und Todesurteil für die Leiter der genannten Menschenrechtsorganisationen, trägt den unverwechselbaren Stempel des einzigen geistig nicht völlig minderbemittelten Ministers in der Nom`Bottho-Regierung. Ihm die Titelseite von Mboto N´da Lengo inklusive Foto einzuräumen, war sicherlich eine freundliche Aufmerksamkeit des Vizepräsidenten, seines Cousins. Die zahllosen Rechtschreib- und Grammatikfehler, die Errata, unzusammenhängenden Fotos und das unübersichtliche Layout sind dagegen lange Tradition und Markenzeichen des Zeitungsverlags N´da Lengo.

Es ist ebenso wohlbekannt, dass der einzige pünktliche Zeitgenosse in der Republik Mombabwe der Gevatter Tod ist. Während ich die Digitalversion von Mboto N´da Lengo lese, hat er seine Rolle bei dieser Berichterstattung sicherlich längst begriffen und seinen Besuch bei den Herrschaften der Menschenrechtsorganisationen geplant (um sie mit ins Jenseits zu nehmen, wo ein intergalaktischer Rebellenflottenkommandeur und bunter Superheld endlose Patiencen legt). Begeistert über die journalistische Qualität, springe ich begierig von Seite zu Seite, bis ich zur Meinungsrubrik von Mboto N´da Lengo komme. Vom Lächeln zum Gelächter zum Verstummen. Da schreiben sie mit wagemutiger, forscher Feder: fünf ehemalige Minister, zwei aktuelle Minister, drei Senatoren, zwei ehemalige Präsidenten, die sechs Brüder des Zeitungsbesitzers und zwei für ihre Gehässigkeit berüchtigte Schriftsteller und eine aktuelle ihrer Gattinnen, ehemals Edelhure. Was für eine stinknormale Entourage. Mit bewunderungswerter und/oder alarmierender Unabhängigkeit schreiben sie über viele Themen, die alle ein und dasselbe sind: Zizi, immer wieder Joseph Nom`Bottho Zizi, bisweilen aufgelockert durch einen kleinen Witz, eine Glosse oder eine umfangreiche Nabelfusselschau. Welch frische Brise ist diese Lektüre des Morgens. Welch sanfter Hauch, von dem kein Erbrechen zu befürchten ist.

Zerzaust von so viel Frische, gehe ich zum Sportteil über, wie man sich noch ein Extrastück Yamkuchen gönnt, obwohl man eigentlich schon satt ist. Im Sportteil steht als große Überschrift, wie der Boxchampion der Republik nach monatelangen Bemühungen endlich in den erlesenen Club der tausend besten Boxer der Welt eingetreten ist - einer von vielen solchen Clubs auf Erden mit ihren jeweils stolzen Weltmeistern und elefantenfußbreiten Paradegürteln, die gegen Unkostenbeitrag ihre Aushängeschilder selbst züchten. Eine titanische Meisterleistung, kraftvoll und ehrenvoll. Die Redakteure der Zeitung Mboto N´da Lengo und damit alle Bewohner Mombabwe sind von Stolz erfüllt, während ich dies lese, sind sie sicherlich schon auf die Straße gegangen, um Fahnen zu schwenken, ohnmächtig zu werden, mit frischen Kalashnikovs in den Himmel zu schießen, Dokumente zu verbrennen und Hymnen zu singen, die sich stets um Nom`Bottho drehen. Drei ganze Seiten widmet Mboto N´da Lengo dem neuen Ass des Faustsports. Dazu ein langes Interview, zwei unverständliche Grafiken und mehrere fleckige Fotos aus der Zeit in der Muhammed Ali George Forman im Stadion der Hauptstadt von Mombabwe besiegte. Soweit ich mich entsinne, gab es kein solches Aufgebot seit diesem Tag im Oktober vor über 36 Jahren, an dem es gelang Mombabwe, damals noch A.R.M. zum Brennpunkt des globalen Sportaufmerksamkiet zu machen. Den damaligen Präsidenten kostete es 10 Millionen Dollar. Das Stadion ist heute vorrangig Moskitobrutstätte und beherbergt das Frauenboxteam von Mombabwe.

Wesentlich gesünder ist doch die Lektüre der englischsprachigen Zeitungen. In den englischsprachigen Zeitungen existiert die Republik Mombabwe nicht. Viel besser ist das. Um es mir zu beweisen, gebe ich in die Internetsuchmaschine die Buchstaben NYT ein, The New York Times, eine Zeitung der Vereinigten Staaten von Amerika (und eine der besten der Welt, wie Mboto N´da Lengo die belgische Zeitung Vers L´Avenir zitiert). Im Internationalen Teil der NYT ist nichts über die Republik der Aktien zu lesen. Ich suche in anderen Rubriken. Nichts. Ich schaue in früheren Ausgaben nach. Auch nichts. Nirgends steht etwas über die Millionen von Toten, die hunderttausenden Vertriebenen und die zig Millionen Mittellosen. Nirgends. Ich klicke mich ins Generalarchiv und tippe den vollständigen Namen von Präsident Zizi ein: Joseph Nom`Bottho. Joseph von Schwanz. Nichts. Ich schreibe “Cosplay Guerilla”, “Cosplay Todesschwadronen”, “Cosplay Drogenhändler”, “Sternengeneralguerilla”, “Millionen Tote”, “Kriegsverbrechen”, “Zivilverbrechen”, “Coltan”. Nichts und wieder nichts. Ich schreibe einfach nur “Mombabwe”. Nein. “Jin-Roh”. Auch nichts (außer einem Filmregisseur namens Mamoru Oshii, aber der ist Japaner). So gefällt es mir. Besser, sie sprechen eher gar nicht über einen, als dass sie etwas Schlechtes sagen - das war eine der Binsenweisheiten meiner armen Vaters, womit er bestimmt irgendeine Zeitung des Landes zitierte, bevor er monatelang verstummte.

Ich vollziehe die eingehende Auswertung der lokalen und ausländischen Presse in dem riesigen Ledersessel, der dem großen Mensch-Wolf Sese Seko Kuku Ngbendu zu Lebzeiten gehörte. Ich atme den Wind des Hochlands ein, der durch die offene, gesplitterte, gläserne Terrassentür weht. Unvermittelt und ohne Vorsatz fühle ich mich trotz erheblichen Blutverlusts wie ein Intellektueller in Pantoffeln in Brooklyn. Während ich mich so fühle und mir die dazugehörige gute Tasse Kaffee vorstelle, die französischen Zigaretten und die Folkloremusik, lese ich in eben der New York Times mehrere vortrefflich verfasste Artikel über einen Putsch in Indonesien, eine Hungersnot in Äthiopien, ein Erdbeben in Indien, eine Epidemie in China, einen multiple Atomkastrophe in Japan und eine skandalöse Knappheit an ägyptischen Küchenchefs in den besten Pizzarestaurants im südlichen Brooklyn. Als ich mein Stelldichein mit der Presse beendet habe, betrachte ich das mit Flaschen gefüllte Barmöbel der kürzlich hier Verstorbenen. Plötzlich fühle ich mich optimistisch. Ich versuche mich zu entscheiden, was ich bei dem Hausangestellten, der sich noch versteckt hält, zum Mittagessen bestellen soll. Es gelingt mir nicht. Wieder atme ich die stumpfwarme Höhenluft ein. Ich denke, dass die ehrwürdige belgische Zeitung Vers L´Avenir letztlich womöglich recht hat: Vielleicht greift die Glückseligkeit tatsächlich wie eine rasende Pest auf den Straßen und Bürgersteigen der Republik um sich (und es ist meiner Wenigkeit, dem flach atmenden Bauchredner Ihres Vertrauens, einfach nur entgangen).

Aus dem Bewanesischen von Artist No. 27094


27094 ist Journalist und Autor in Kinshasa, Dem. Rep. Kongo. Zuletzt ist von ihm erschienen: “Cinq Dessins”, Facebook (Fanpage). http://www.facebook.com/pages/Artist-No-27094/157146817632614 Dieser Text appropriiert Teile von Antonio Ungars Roman “Tres ataúdes blancos”, Barcelona (Anagrama). Der Roman wurde mit dem Herralde-Preis 2010 ausgezeichnet.
© Für die deutsche Übersetzung der Romanstellen “Le Monde diplomatique, Berlin 

Le Monde diplomatique Nr. 9394 vom 14.1.2011, Seite 11, 368 Dokumentation, Antonio Ungar http://www.monde-diplomatique.de/pm/2011/01/14/a0044.text.name,askHC8RFj.n,6

© Contrapress media GmbH Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags

Cinq Dessins

Five Drawings posted on Facebook.

200 LIKES for 5$

Feb. 28/2011. Bought 200 Likes on fiverr.com for the Artist 27094 facebook fanpage. 218 new likes got added.

http://www.facebook.com/pages/Artist-No-27094/157146817632614

Walking backwards on the earth as slow as possible on 10/10/2010. Reversed and compressed to 2:07min. Location: Fama, Dem. Rep. Of Congo. Submitted to the “One Day On Earth – The World´s Story is Yours to Tell” Project: onedayonearth.org

R E P O R T
27/09/2010
Start of potentially the most expensive artwork in the world – a 3 Billion Euro Business. Issuing a limited edition of 27.094 reports. Initial price of one personalized fine art print: 94.- EUR. End price after 27 years of fixed annual interest rate of 27,09%: 111.363,67.- EUR (quaterly interval for interest credit)
Fixed price politics till 27/09/2037. Zero volatility from the Issuer. Automated appreciation for maximum value security.
Base for founding FAMA - First Artist´s Microfinance Art Bank providing microloans for artists only.
www.fama.cc 

R E P O R T

27/09/2010

Start of potentially the most expensive artwork in the world – a 3 Billion Euro Business. Issuing a limited edition of 27.094 reports. Initial price of one personalized fine art print: 94.- EUR. End price after 27 years of fixed annual interest rate of 27,09%: 111.363,67.- EUR (quaterly interval for interest credit)

Fixed price politics till 27/09/2037. Zero volatility from the Issuer. Automated appreciation for maximum value security.

Base for founding FAMA - First Artist´s Microfinance Art Bank providing microloans for artists only.

www.fama.cc 

BODY OF EVIDENCE VII

11.12.2008 /

Leaving a headband, cotton swabs and a cigarette stub on Parnell Square N, Dublin.

BODY OF EVIDENCE XIII

24.09.2010 /

Leaving a plastic bag with 270 instructions and 27 Euros (2x 10 Euro bills, 1 bill of 5 Euro, 1 coin 2 Euros) on the sidewalk near Urbanstr./Grimmstr., Berlin.

Filmed on Sat, 24.07.2010, 2:07am in Fama, Congo.

Part III of LATE. 

Submitted to Kevin MacDonald`s & Ridley Scott´s Experimental Documentary “Life in A Day” 

http://www.youtube.com/lifeinaday

Submitted to the Biennale  ”YouTube Play” of the Guggenheim Museum.

http://www.youtube.com/playbiennial


BODY OF EVIDENCE IX

13.12.2009 /

Leaving Performance. Two chewed chewing gums left in the old Bunker Air System on two levels of the Collection Boros (Sammlung Boros) the former Reichsbahnbunker in Reinhardstr. 20, 10117 Berlin, housing a collection of Modern Art of advertising mogul Christian Boros since 2007. 

http://www.sammlung-boros.de/index.php?id=1350&L=1&id=1350

Nennen wir es Mombabwe

Wahre Geschichten aus einem fiktiven Land

von Antonio Ungar und 27094

Noch bevor ich das unglaublich hässliche Flughafengebäude betrete, sehe ich sie von der Landebahn aus. Das müssen sie sein: fünf Riesen mit schwarzen Sonnenbrillen, gekleidet wie alte graue Metallbüroschränke in die Skelette von Büroangestellten gesperrt sind. Als ich nach ihnen trete, halten sie mich auf, packen mich an den Unterarmen, und nach links und rechts lächelnd, als hätte ich sie als Bodyguards engagiert, befördern sie mich aus dem Flughafen. Sie hieven mich auf den Vordersitz eines bordeauxroten betagten Landrovers. Setzen sich neben mich. Ja, auf mich. Der Typ auf mir stösst mir seinen Beckenknochen damit sein Gesamtgewicht in die vom Flug beleidigte Unterbauchregion, stülpt mir eine dreckigweisse Flanellkapuze über den Kopf, klickt gusseiserne Fußschellen um meine Hände, die wohl noch aus der Sklavenzeit stammen, als hier Schwarze von Schwarzen verkauft wurden (und erst später an weisse Kolonisatoren) und meine am Boden gekreuzten Fußgelenke, legt den Sitz flach, und sich während des rumpelnden, staubigen Schlaglochparcours auf mich. Ich liebe Mombabwe.

Der Weg ist ziemlich lang. Meine Henker halten nur zum Essen und Pinkeln und um das wohl kaum verdaute Tun-Jok hinter Sträuchern wieder los zu werden. Ich tue weder das eine noch das andere, und bin froh, kein Tun-Jok gegessen zu haben. Sie reden über Tote, alte Chefs, alte tote Chefs, Neuzugänge, tote Neuzugänge, Blitzkarrieren, Minen, Partner und weisse Geschäftsleute, immer mit Spitznamen und kichern wie Schulmädchen. Partner hört sich wie “Bat Na” an, was auf Bewanisch ehemaliger Liebhaber, Geliebter bedeutet, aber nur für Tierbeziehungen verwendet wird. Ich glaube, sie gehören den Todesschwadronen an. Wir kommen an zwei Straßensperren der Armee vorbei. Die Soldaten verlangen Autopapiere, Führerschein und irgendwelche Fantasiedokumente deren Namen sie sich wohl gerade einfallen haben lassen, und tun so, als läge da hinten auf dem Sitz ein Sack mit Düngemittel und nicht jemand mit Fußschellen und einer Kapuze über dem Kopf. Ich fühle mich wie Düngemittel. Meinem Gefühl nach sind wir die ganze Nacht und einen guten Teil des nächsten Tages unterwegs. Dann bremsen wir plötzlich, und einer der Typen vorne schreit dem neben mir zu, er solle mir die Kapuze und die Fußschellen an den Händen abnehmen, sie wollten mir das Gelände zeigen. Es klingt, als wollten sie mir ihre Tomatenzucht im Hinterhof vorführen.

Ich ahne, was sie mir zeigen wollen. Was sie “das Gelände” nennen. Vor über einem Jahr wurde es im ausländischen Fernsehen erwähnt, als Präsident Nom`Bottho [Bottho zu deutsch: Pimmel, Anm. der Red.] die sichtbare Front der Todesschwadronen legalisiert hat. Zwei der demobilisierten Führer haben in Interviews die Existenz dessen bestätigt, was sie in ihrem Kriegsjargon “Gehege” oder “Metzgereien” nannten. Die Gehege oder Metzgereien waren, wie ihre Befehlshaber damals gestanden, riesige Schuppen irgendwo auf dem Land oder im Wald, wo hingebracht wurde, wer unter Verdacht stand, mit Kleinbauern, Eingeborenen oder Gewerkschaften zu kollaborieren. Es waren niemals Weisse darunter.

Die Zartbesaiteten unter den Lesern mögen mir verzeihen, aber es lässt sich nicht anders formulieren: In den Gehegen oder Metzgereien wurden die Angehörigen dieser Organisationen mit Macheten und Motorsägen lebendig zerstückelt, und ihre Reste wurden den Warzenschweinen vorgeworfen, damit auch nicht die kleinste Spur von Rebellion übrig blieb (wie einer der Kommandanten im Interview sagte). Die Gehege oder Metzgereien dienten außerdem als Trainingslager für die neuen Rekruten, die sich durch die Ausbildung im Zersägen für den Krieg gegen die unbewaffneten Menschen wappneten, die ihnen in jedem Winkel der Republik auflauerten.

Ich weiß noch, dass ich es damals nicht glauben wollte, die sind im Krieg verrückt geworden, dachte ich, weil ich so etwas Barbarisches nicht einmal in Mombabwe für möglich hielt (das damals noch A.R.M. hiess - Alternative Republic of Mombabwe). Der andere Kommandant sagte einer ausländischen Zeitung, in dem ihm unterstehenden Schuppen hätten die ersten Zerstückelten keiner Organisation angehört, sondern seien die 37 Bewohner des nächsten Weilers gewesen, die von den jüngsten Auszubildenden ziemlich stümperhaft mit Motorsägen zersäbelt worden seien. In Mombabwe ist die Realität immer schlimmer, als man es sich vorstellen kann, das habe ich inzwischen gelernt.

Die gute Nachricht ist, dass der Schuppen, den mir meine jungen Todesbegleiter so freundlich zeigen, inzwischen nicht mehr dem Zweck dient, Menschen verschwinden zu lassen. Die schlechte Nachricht ist, dass die riesigen Warzenschweine völlig verwahrlost und halb wahnsinnig vor Hunger frei herumlaufen. Ich sehe ein paar ausgebleichte menschliche Rippenknochen im Gras. Ob Frau oder Mann ist daraus nicht erkenntlich. Die Schweine fressen keine Schädel, deshalb liegen über drei Dutzend ringsum verstreut. Sie zerren mich herum, damit ich alles sehe, und unter brüllendem Gelächter zielen sie zum Spaß auf die Schweine. Mir wird immer übler, als zwängten sich die Gespenster all dieser verstümmelten Menschen durch meine Eingeweide. Irgendwann kann ich nicht mehr und gehe in die Knie, um zu erbrechen, aber ich erbreche nichts, weil ich nichts gegessen habe, auch kein Tun-Jok.

Später sagt der am Lenker, wir seien keine Stunde Fahrt mehr entfernt. Die Sonne rötet sich, obwohl es bis zur Dämmerung noch lange hin ist. Der Landrover hat keine Klimaanlage und lila verdunkelte Scheiben, und was jenseits der Fenster vorbeizieht, wirkt wie aus einem klassischen Dokumentarfilm über Afrika. Riesige Kapokbäume inmitten weiter Ebenen, ein hoher Himmel mit fernen großen Wolken. Vieh, das zwischen sumpfigen Wiesen und der Landstraße weidet, Zebras und kleine Vögel, die über den Horizont schwirren. Der am Lenker kündigt per Funk unsere Ankunft in der Farm an. Wir biegen in eine von Palmen gesäumte gepflasterte Straße ab, kommen an vier Kontrollposten vorne, der zweite gesichert mit Sandsäcken und zwei Maschinengewehrnestern. Die Männer, die den Wagen und seinen Inhalt durchsuchen, tragen blaue Uniformen in besserem Zustand als die der Armee von Mombabwe.

Am zweiten Kontrollposten fragt ein etwa 37jähriger Mann meine Wächter, ob sie die Lieferung dabei haben. Der Fahrer schaltet den Motor ab, steigt aus und lässt mich auch aussteigen. Der Mann nimmt mich unter die Lupe wie ein neues Kamel, dann lächelt er. Er gibt etwas per Funk durch. Sie setzen mich wieder in den Landrover, und wir fahren noch ca. 10 Minuten weiter. Entlang der Straße sieht man viele Armeezelte, eins neben dem anderen. Männer in Uniform hängen ihre Unterwäsche zum Trocknen auf, spielen Karten, prügeln sich, warten. Dann taucht in der Ferne das Haupthaus auf. Eine Art Herrenhaus im Südstaatenstil, nur klotzig und hässlich, wie die Hütte eines psychotischen Unholds aus einem üblen Märchen. Davor ein leeres Schwimmbad von olympischen Ausmaßen, in den Beeten wachsen Tomaten jeglicher Größe und Farbe, echte Flamingos stolzieren herum und auf der Veranda dösen zwei domestizierte Geparden. Außerdem gibt es drei Wachtürme und einen Zwinger voller Kampfhunde.

Etwa hundert Meter hinter dem Haus befindet sich ein betonierter Landeplatz, auf dem zwei Hubschrauber, ein weisser und einer mit grellorangenem Tarnanstrich und eine Cessna 172 stehen. Die Cessena ist beige gestrichen wie das Land ringsum, unter den Fügeln und am Flugzeugbauch in himmelsblau. Die drei Fluggeräte machen eher den Anschein einer Kunstinstallation, denn einer funktionalen Fluchtoption. Vor der Tür parken auf einem begrünten Rondell drei Luxuswagen und zirka fünfzehn Begleitjeeps. Ich frage mich, zu wem das alles gehört. Da der Schauplatz die Republic of Independent Comabwanbgu Homeland, ehemals Mombabwe, ist, lässt sich die Frage unmöglich nachhaltig beantworten. Zu einem Drogenboss? Einem Kommandanten der Todesschwadronen? Einem General der Armee? Einem Bruder des Präsidenten? Einem seiner Cousins? Zum Verteidigungsminister? Zum Vizepräsidenten? Zu Rotkäppchen? Zum Unaussprechlichen höchstpersönlich? Zu mir? Meine Situation setzt mir nach und nach offensichtlich auch psychisch zu […]

WAS ÜBER DIE REPUBLIK IN DER ZEITUNG STEHT

Verflucht sei die verfluchte Manie, ins Internet zu schauen. Auf der Titelseite der Digitalversion der belgischen Zeitung Vers L´Avenir ist heute Morgen zu lesen, dass es unserer neuen Republik Mombabwe, jetzt R.I.C.H. bestens geht. Eine von Vers L´Avenir aus Belgien in unsere Hauptstadt entsandte Journalistin versichert, dass dank der vom hochehrwürdigen Präsidenten Nom`Bottho (in Belgien kurz jovial Zizi genannt,…im francophonen Belgien steht Zizi für Schwanz, dann müssen die belgischen Zeitungsleser nicht zum bewanischen Wörterbuch greifen und die Berichterstattung bleibt eingängig und vielschichtig) ergriffenen Maßnahmen für Wirtschaft und Sicherheit des Landes das Vertrauen der ausländischen Investoren gestärkt, das Bruttoinlandsprodukt gestiegen und die Währung konsolidiert sei. So steht es in der Zeitung. Und was in der Zeitung steht, ist nicht privat, sondern öffentlich und muss stimmen.

Dann wird noch gezeigt, wie sich die makroökonomischen Veränderungen im realen Leben der Menschen auswirken, am Beispiel von drei Archetypen der Republik: dem Taxifahrer und ehemaligen Minenarbeiter, der die Journalistin vom Flughafen ins beste Hotel bringt, dem Vizepräsidenten und ehemaligen Sohn (zudem Besitzer der größten Tageszeitung und drei Viertel aller Fernsehsender, doch das weiß die Korrespondentin nicht, auch nicht, dass er seinen Vater kaltblütig aus dem Weg räumen liess) und, wie sollte es anders sein, dem aufstrebenden Winzling, dem gigantischen Nom`Bottho. In dem von der Journalistin verfassten Artikel hat der Taximinenfahrer die beiden Letzteren gewählt, und zwar aus ehrlicher Überzeugung: um mit dem Gesindel ein Ende zu machen. Alle drei erklären, das Geld habe eine wesentlich größere Kaufkraft als zuvor, was stimmt. Nur haben die meisten Menschen in Mombabwe kein Geld. Die Korrespondentin erwähnt Schnellimbisse, Turnschuhe, Volksmusik, Antilopenhirn, Videospiele und CDs. In Spanien, dem Land der belgischen Zeitung Vers L´Avenir, ist der Kauf dieser Dinge vermutlich ein Zeichen von Wohlstand, bis auf das Antilopenhirn, das ist eine bewanesische Luxusware inklusive der Hörner, um dorthin zu gelangen. Ich war noch nie in Belgien, aber ich weiß (weil ich es weiß), dass man in den parlamentarischen Monarchien kultivierter, man könnte meinen, besser speist und sich besser kleidet als in den perfekten Republiken. Die Korrespondentin kommt drei Wochen später im Norden des Landes durch eine Mine ums Leben. Der Fahrer auch. Ein kleiner Trauerartikel spielt an, sie wäre einer größeren sozialpolitischen Wirtschaftsverschwörung auf der Spur gewesen, aber es könnte auch sein, dass die Kollegen nur ihr Pech kaschieren wollen.

Laut den drei Quellen des Artikels (also: Präsident, Vizepräsident, Taxifahrer) gibt es in unserer Republik immer weniger Arme – aber immer mehr Arme mit Händen daran, denn den neu nachwachsenden Kindern werden diesen nicht wegen kleinster “Vergehen” auf den Gummiplantagen abgeschlagen – und wie eine rasende Pest greift die Glückseligkeit unter den Bürgern um sich, die trotz des (vergriffenen) Konversationslexikons der Königlichen Akademie in der Bewanischen Sprache schon keine Worte mehr finden, um ihr Glück auszudrücken. Die Bewanische Sprache kennt offiziell 14 Ausdrücke für Glück (davon allein 9 überregionale Handgesten), aber der Bestand der fast hundertjährigen Bibliothek umfasst nach den Plünderungen Bände in etwa der gleichen Anzahl und keiner weiss mehr in welchem dieser linguistische Vermerk zu finden ist. Deshalb bleiben sie durchweg stumm, die Bürger vom Mombabwe. Sie wollen nichts Falsches über Glück sagen. Das Leben hat sich verändert, und zum Guten verändert, sagt ein steifer, herausfordernder Nom`Bottho in der langen Reportage der belgischen Zeitung Vers L´Avenir.

Verflucht sei die verfluchte Gewohnheit, die verfluchte Presse im Internet zu lesen und auf Knopfdruck verflucht oft vervielfältigen zu können (unsichtbare Erfindung, deren einziger Nutzen darin besteht, die Welt in ein Taschentuch zu verwandeln, das Milliarden von Menschen stündlich benutzen und dann weiterreichen).

MENSCHENRECHTLER ALS GUERILLEROS ENTTARNT

Gesegnet sei dagegen die gesunde und gut katholische Gewohnheit, die neutralen Zeitungen der Republik Mombabwe zu konsultieren. In Mboto N´da Lengo (Weg der Freiheit), der größten von allen, liest man, dass Quellen der nationalen Sicherheit die engen Verbindungen zwischen den drei in der Republik tätigen Menschenrechtsorganisationen und den nicht wirklich unschädlich gemachten Guerilla-Gruppierungen unklarer multitudidinaler maostalinistisch-cosplay Herkunft (man sagt, sie seien unschädlich gemacht wurden, würden auf dem Land jedoch wie biblische Plagen weiter ihr Unheil treiben) nachgewiesen haben. Die Zeitung versichert, Zugang zu nicht weiter spezifizierten Untersuchungen gehabt zu haben, in deren Verlauf Gespräche zwischen den Leitern der Menschenrechtsorganisationen und den multitudidinalen maostalinistischen-cosplay Kommandanten aufgezeichnet worden seien. Mutig wird von den Fortschritten dieser Untersuchungen gesprochen, die Zeitung präzisiert allerdings nicht, worum es bei den erwähnten Gesprächen ging. Bekanntlich ist die lange Erfahrung von Mboto N´da Lengo allein schon eine Garantie für den Wahrheitsgehalt ihrer Informationen. Und, versichert die größte Tageszeitung desgleichen, nach besagten Untersuchungen gebe es Beweise für ein geheimes Treffen, bei dem die Menschenrechtsorganisationen eingewilligt hätten, den Terroristen als Tarnung, Kontaktstelle und Geldwäscherei für ihre Euros zu dienen, in der Hauptstadt von Mombabwe wie auch in anderen Hauptstädten ähnlicher, nicht näher benannter Republiken.

Man liest außerdem in Mboto N´da Lengo, deren Seriosität und Wahrheitstreue bis über die Landesgrenzen hinaus besungen wird, dass sich der ranghöchste Leiter der erwähnten Menschenrechtsorganisationen (laut Quellen der militärischen Sicherheit) für besagtes Treffen höchstpersönlich wie eine Mischung aus Josef Stalin und intergalaktischer Sternenkommandeur aufkostümiert hatte und sich dafür sogar einen altmodischen Schnurrbart hatte wachsen lassen und diesen darüberhinaus verchromen liess – und damit das Original weit an Effekt übertraf. Ich weiß nicht, warum ich nicht gleich Mboto N´da Lengo zur Hand genommen habe, ohne den Umweg über die belgische Vers L´Avenir. Der lange Artikel, Reportage und Todesurteil für die Leiter der genannten Menschenrechtsorganisationen, trägt den unverwechselbaren Stempel des einzigen geistig nicht völlig minderbemittelten Ministers in der Nom`Bottho-Regierung. Ihm die Titelseite von Mboto N´da Lengo inklusive Foto einzuräumen, war sicherlich eine freundliche Aufmerksamkeit des Vizepräsidenten, seines Cousins. Die zahllosen Rechtschreib- und Grammatikfehler, die Errata, unzusammenhängenden Fotos und das unübersichtliche Layout sind dagegen lange Tradition und Markenzeichen des Zeitungsverlags N´da Lengo.

Es ist ebenso wohlbekannt, dass der einzige pünktliche Zeitgenosse in der Republik Mombabwe der Gevatter Tod ist. Während ich die Digitalversion von Mboto N´da Lengo lese, hat er seine Rolle bei dieser Berichterstattung sicherlich längst begriffen und seinen Besuch bei den Herrschaften der Menschenrechtsorganisationen geplant (um sie mit ins Jenseits zu nehmen, wo ein intergalaktischer Rebellenflottenkommandeur und bunter Superheld endlose Patiencen legt). Begeistert über die journalistische Qualität, springe ich begierig von Seite zu Seite, bis ich zur Meinungsrubrik von Mboto N´da Lengo komme. Vom Lächeln zum Gelächter zum Verstummen. Da schreiben sie mit wagemutiger, forscher Feder: fünf ehemalige Minister, zwei aktuelle Minister, drei Senatoren, zwei ehemalige Präsidenten, die sechs Brüder des Zeitungsbesitzers und zwei für ihre Gehässigkeit berüchtigte Schriftsteller und eine aktuelle ihrer Gattinnen, ehemals Edelhure. Was für eine stinknormale Entourage. Mit bewunderungswerter und/oder alarmierender Unabhängigkeit schreiben sie über viele Themen, die alle ein und dasselbe sind: Zizi, immer wieder Joseph Nom`Bottho Zizi, bisweilen aufgelockert durch einen kleinen Witz, eine Glosse oder eine umfangreiche Nabelfusselschau. Welch frische Brise ist diese Lektüre des Morgens. Welch sanfter Hauch, von dem kein Erbrechen zu befürchten ist.

Zerzaust von so viel Frische, gehe ich zum Sportteil über, wie man sich noch ein Extrastück Yamkuchen gönnt, obwohl man eigentlich schon satt ist. Im Sportteil steht als große Überschrift, wie der Boxchampion der Republik nach monatelangen Bemühungen endlich in den erlesenen Club der tausend besten Boxer der Welt eingetreten ist - einer von vielen solchen Clubs auf Erden mit ihren jeweils stolzen Weltmeistern und elefantenfußbreiten Paradegürteln, die gegen Unkostenbeitrag ihre Aushängeschilder selbst züchten. Eine titanische Meisterleistung, kraftvoll und ehrenvoll. Die Redakteure der Zeitung Mboto N´da Lengo und damit alle Bewohner Mombabwe sind von Stolz erfüllt, während ich dies lese, sind sie sicherlich schon auf die Straße gegangen, um Fahnen zu schwenken, ohnmächtig zu werden, mit frischen Kalashnikovs in den Himmel zu schießen, Dokumente zu verbrennen und Hymnen zu singen, die sich stets um Nom`Bottho drehen. Drei ganze Seiten widmet Mboto N´da Lengo dem neuen Ass des Faustsports. Dazu ein langes Interview, zwei unverständliche Grafiken und mehrere fleckige Fotos aus der Zeit in der Muhammed Ali George Forman im Stadion der Hauptstadt von Mombabwe besiegte. Soweit ich mich entsinne, gab es kein solches Aufgebot seit diesem Tag im Oktober vor über 36 Jahren, an dem es gelang Mombabwe, damals noch A.R.M. zum Brennpunkt des globalen Sportaufmerksamkiet zu machen. Den damaligen Präsidenten kostete es 10 Millionen Dollar. Das Stadion ist heute vorrangig Moskitobrutstätte und beherbergt das Frauenboxteam von Mombabwe.

Wesentlich gesünder ist doch die Lektüre der englischsprachigen Zeitungen. In den englischsprachigen Zeitungen existiert die Republik Mombabwe nicht. Viel besser ist das. Um es mir zu beweisen, gebe ich in die Internetsuchmaschine die Buchstaben NYT ein, The New York Times, eine Zeitung der Vereinigten Staaten von Amerika (und eine der besten der Welt, wie Mboto N´da Lengo die belgische Zeitung Vers L´Avenir zitiert). Im Internationalen Teil der NYT ist nichts über die Republik der Aktien zu lesen. Ich suche in anderen Rubriken. Nichts. Ich schaue in früheren Ausgaben nach. Auch nichts. Nirgends steht etwas über die Millionen von Toten, die hunderttausenden Vertriebenen und die zig Millionen Mittellosen. Nirgends. Ich klicke mich ins Generalarchiv und tippe den vollständigen Namen von Präsident Zizi ein: Joseph Nom`Bottho. Joseph von Schwanz. Nichts. Ich schreibe “Cosplay Guerilla”, “Cosplay Todesschwadronen”, “Cosplay Drogenhändler”, “Sternengeneralguerilla”, “Millionen Tote”, “Kriegsverbrechen”, “Zivilverbrechen”, “Coltan”. Nichts und wieder nichts. Ich schreibe einfach nur “Mombabwe”. Nein. “Jin-Roh”. Auch nichts (außer einem Filmregisseur namens Mamoru Oshii, aber der ist Japaner). So gefällt es mir. Besser, sie sprechen eher gar nicht über einen, als dass sie etwas Schlechtes sagen - das war eine der Binsenweisheiten meiner armen Vaters, womit er bestimmt irgendeine Zeitung des Landes zitierte, bevor er monatelang verstummte.

Ich vollziehe die eingehende Auswertung der lokalen und ausländischen Presse in dem riesigen Ledersessel, der dem großen Mensch-Wolf Sese Seko Kuku Ngbendu zu Lebzeiten gehörte. Ich atme den Wind des Hochlands ein, der durch die offene, gesplitterte, gläserne Terrassentür weht. Unvermittelt und ohne Vorsatz fühle ich mich trotz erheblichen Blutverlusts wie ein Intellektueller in Pantoffeln in Brooklyn. Während ich mich so fühle und mir die dazugehörige gute Tasse Kaffee vorstelle, die französischen Zigaretten und die Folkloremusik, lese ich in eben der New York Times mehrere vortrefflich verfasste Artikel über einen Putsch in Indonesien, eine Hungersnot in Äthiopien, ein Erdbeben in Indien, eine Epidemie in China, einen multiple Atomkastrophe in Japan und eine skandalöse Knappheit an ägyptischen Küchenchefs in den besten Pizzarestaurants im südlichen Brooklyn. Als ich mein Stelldichein mit der Presse beendet habe, betrachte ich das mit Flaschen gefüllte Barmöbel der kürzlich hier Verstorbenen. Plötzlich fühle ich mich optimistisch. Ich versuche mich zu entscheiden, was ich bei dem Hausangestellten, der sich noch versteckt hält, zum Mittagessen bestellen soll. Es gelingt mir nicht. Wieder atme ich die stumpfwarme Höhenluft ein. Ich denke, dass die ehrwürdige belgische Zeitung Vers L´Avenir letztlich womöglich recht hat: Vielleicht greift die Glückseligkeit tatsächlich wie eine rasende Pest auf den Straßen und Bürgersteigen der Republik um sich (und es ist meiner Wenigkeit, dem flach atmenden Bauchredner Ihres Vertrauens, einfach nur entgangen).

Aus dem Bewanesischen von Artist No. 27094


27094 ist Journalist und Autor in Kinshasa, Dem. Rep. Kongo. Zuletzt ist von ihm erschienen: “Cinq Dessins”, Facebook (Fanpage). http://www.facebook.com/pages/Artist-No-27094/157146817632614 Dieser Text appropriiert Teile von Antonio Ungars Roman “Tres ataúdes blancos”, Barcelona (Anagrama). Der Roman wurde mit dem Herralde-Preis 2010 ausgezeichnet.
© Für die deutsche Übersetzung der Romanstellen “Le Monde diplomatique, Berlin 

Le Monde diplomatique Nr. 9394 vom 14.1.2011, Seite 11, 368 Dokumentation, Antonio Ungar http://www.monde-diplomatique.de/pm/2011/01/14/a0044.text.name,askHC8RFj.n,6

© Contrapress media GmbH Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags

Cinq Dessins

Five Drawings posted on Facebook.

200 LIKES for 5$

Feb. 28/2011. Bought 200 Likes on fiverr.com for the Artist 27094 facebook fanpage. 218 new likes got added.

http://www.facebook.com/pages/Artist-No-27094/157146817632614

Walking backwards on the earth as slow as possible on 10/10/2010. Reversed and compressed to 2:07min. Location: Fama, Dem. Rep. Of Congo. Submitted to the “One Day On Earth – The World´s Story is Yours to Tell” Project: onedayonearth.org

R E P O R T
27/09/2010
Start of potentially the most expensive artwork in the world – a 3 Billion Euro Business. Issuing a limited edition of 27.094 reports. Initial price of one personalized fine art print: 94.- EUR. End price after 27 years of fixed annual interest rate of 27,09%: 111.363,67.- EUR (quaterly interval for interest credit)
Fixed price politics till 27/09/2037. Zero volatility from the Issuer. Automated appreciation for maximum value security.
Base for founding FAMA - First Artist´s Microfinance Art Bank providing microloans for artists only.
www.fama.cc 

R E P O R T

27/09/2010

Start of potentially the most expensive artwork in the world – a 3 Billion Euro Business. Issuing a limited edition of 27.094 reports. Initial price of one personalized fine art print: 94.- EUR. End price after 27 years of fixed annual interest rate of 27,09%: 111.363,67.- EUR (quaterly interval for interest credit)

Fixed price politics till 27/09/2037. Zero volatility from the Issuer. Automated appreciation for maximum value security.

Base for founding FAMA - First Artist´s Microfinance Art Bank providing microloans for artists only.

www.fama.cc 

BODY OF EVIDENCE VII

11.12.2008 /

Leaving a headband, cotton swabs and a cigarette stub on Parnell Square N, Dublin.

BODY OF EVIDENCE XIII

24.09.2010 /

Leaving a plastic bag with 270 instructions and 27 Euros (2x 10 Euro bills, 1 bill of 5 Euro, 1 coin 2 Euros) on the sidewalk near Urbanstr./Grimmstr., Berlin.

Filmed on Sat, 24.07.2010, 2:07am in Fama, Congo.

Part III of LATE. 

Submitted to Kevin MacDonald`s & Ridley Scott´s Experimental Documentary “Life in A Day” 

http://www.youtube.com/lifeinaday

Submitted to the Biennale  ”YouTube Play” of the Guggenheim Museum.

http://www.youtube.com/playbiennial


BODY OF EVIDENCE IX

13.12.2009 /

Leaving Performance. Two chewed chewing gums left in the old Bunker Air System on two levels of the Collection Boros (Sammlung Boros) the former Reichsbahnbunker in Reinhardstr. 20, 10117 Berlin, housing a collection of Modern Art of advertising mogul Christian Boros since 2007. 

http://www.sammlung-boros.de/index.php?id=1350&L=1&id=1350

Nennen wir es Mombabwe
Ecce 27094

About:

Artist No. 27094 "Mind – I believe – is Essence – Ent – Abstract – that is – an Accident – which we – that is to say – I meant –"

Following: